Islam: Eine Religion des Friedens

… eigentlich sehe ich mich selbst als einen aufgeklärten Menschen, meinen Lebenswandel fristend ohne vorschnell gezogene Glaubenssätze oder Vorurteile, die auf tatsächlichem Nichtwissen beruhen. Tja, diese Woche wurde ich mal wieder eines besseren belehrt, denn: Man sollte nie aufhören, seine eigenen Gedanken zu hinterfragen.

Im Rahmen unserer Recherchearbeit zu einem Musikvideo (bald mehr dazu) stoße ich derzeit an meine Grenzen. Nicht die körperlichen, sondern die geistigen, die ich mir selbst auferlegt habe. Diese Woche drehte sich vieles um ein Thema, was die Gesellschaft momentan entzweit, spaltet und für Unruhe sorgt. Alles begann am Sonntag, als wir unverhofft im Münchner Forum für Islam ein paar Menschen kennenlernten, die mein Weltbild mal wieder verändert haben.

Ich war nie der Ansicht, der Islam sei keine friedliche Religion, denn ich denke, alle Weltreligionen haben im Kern, der zugegebenermaßen oft bis zum erbrechen überlagert ist von Dogmen und Ritualen, eines zu Grunde liegend: Ein friedvolles Miteinander und auch ein friedvolles Mit-Sich-Selbst-Sein.

Allerdings sind auch mir in der Vorbereitung auf das Treffen ein paar Dinge durch den Kopf geschossen, die mir jetzt im Nachhinein geradezu peinlich sind, gerade so viel, dass ich mich noch traue, sie hier zu teilen. Das waren Sätze wie: „Muss ich da jetzt mit Kopftuch hingehen?“, „Wie werden sie mit mir, als Frau, sprechen?“, allem voran die Frage danach, ob es etwas bringen wird dort hin zu gehen, vielleicht auch die Angst davor, dass meine Zweifel bestätigt werden, denn ich möchte mein vordergründiges Bild von den friedvollen Ur-Religionen ja so ungern aufgeben.

All diese Zweifel waren jedenfalls so unbegründet, wie man es sich nur erträumen könnte. Das MFI ist wohl eine der liberalsten, aufgeschlossensten religiösen Orte, die ich in meinem kurzen Leben besucht habe – und das waren dank meiner Arbeit als Musikerin doch Einige. So wohl haben wir uns dort gefühlt, dass wir gestern Abend gleich Teil werden durften, vom ausARTen Festival, eine bunte Woche mit verschiedensten kulturellen Veranstaltungen, Konzerte, Diskussionen, Kunst… Es war ein sehr schönes Erlebnis, meine Songs vor diesem Hintergrund singen zu dürfen und all die Menschen dort kennenzulernen, einen kleinen Einblick zu bekommen, was sie tun und was ihre eigenen Wünsche und Hoffnungen für ihren Glauben sind. Darin unterscheiden sie sich (natürlich!) in keiner Weise von all den Christen, die versuchen ihren Glauben und nicht die Institution zu leben und sicher auch nicht von Hinduisten, Sikhs, oder Juden. Aber eins ist klar: Die Muslime müssen im Moment viel mehr darum kämpfen, dass man ihnen ihren Glauben lässt, dass man sie nicht beurteilt, nur weil das Streben nach Macht einer Minderheit mal wieder dazu führt, dass eine Religion herhalten muss als angebliche Rechtfertigung für Gewalt, Hass und Krieg.

Umso mehr müssen wir hier um uns schauen und nach denen Ausschau halten, die den wahren Kern des Glaubens leben. Ich finde es wunderbar, dass es hier in München eine Gruppe von Muslimen gibt, die einfach sagt: „Wir gehören dazu!“ Denn das tun sie ja! Und ich finde es noch viel wunderbarer, dass sie in ihrem Bemühen, andere Menschen mit ihrer friedvollen Botschaft und ihrem Engagement zu erreichen, viele unserer kulturell etablierten spirituellen Einrichtungen tatsächlich übertreffen.

Ich wünsche jedem, dass er die Gelegenheit hat, die Menschen des MFI kennenzulernen. Das ist gesund, denn: Es erweitert den Horizont, macht Spaß und nimmt die Angst vor dem Unbekannten – und sei diese noch so klein, solange sie da ist, sollten wir etwas dagegen unternehmen.

In diesem Sinne: Einen schönen Sonntag!